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Die Walcker Orgel in Weilerbach

Die am 18.12.1898 eingeweihte Walcker-Orgel der protestantischen KircheKirche Weilerbach ist ein bedeutendes Instrument des späten 19.Jahrhunderts. Das Pfeifenwerk, die technische Anlage sowie der Orgelprospekt (=sichtbarerTeil des Gehäuses) ist weitestgehend original erhalten. Dem Zuhörer und Organisten bietet sich ein beeindruckendes Zeugnis der Orgelkultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. 

Orgelmusik dieser Epoche klingt nach mehr als 120 Jahren so authentisch und frisch, als wäre sie gestern komponiert.



Zur Geschichte:

Für die 1898 erbaute, gegenüber der Vorgängerkirche wesentlich größere
Kirche war auch ein neues, den Anforderungen genügendes Orgelwerk nötig.
So teilte die Orgelbaufirma H. Voit & Söhne aus Durlach, nachdem sie
Einsicht in die Baupläne des Kirchenarchitekten Levy hatte, dem Pfarramt in
einem Schreiben vom Februar 1896 mit:


...daß für den cubischen Raum der Kirche sowie nach Anzahl der Sitzplätze
eine Orgel von ca 24 klingenden und 10 Nebenregistern erforderlich wird.
Der Kostenaufwand dürfte sich je nach Wahl des Gehäuses bzw. der äußeren
Ausstattung des Werke auf ca. MK 10.0000 belaufen.

 

Im Juli 1897 legte der Orgelexperte Hermann Hahn aus Kaiserslautern ein
Gutachten vor, welches Grundlage für die Ausschreibung des Orgelneubaus
wurde.

Am 29.12.1897 beschloss das Presbyterium den Auftrag zum Orgelneubau an die
Firma E.F. Walcker & Cie in Ludwigsburg zu vergeben.

Am 4. Advent 1898 wurde die Orgel zusammen mit der Kirche eingeweiht.
Am 23.12.1898 nahm Orgelbauexperte Hahn die Orgel in Anwesenheit von Carl
Walcker ab.

Der Abnahmebericht vom 03. Januar 1899 sei hier auszugsweise wiedergegeben:

 

                                                                       

                                                                Kaiserslautern, den 03. Januar 1899

An das Kgl. Prot. Pfarramt Weilerbach
Betreff: Revision und Abnahme der neuen Orgel der prot. Kirche zu Weilerbach

Der Unterzeichnete beehrt sich, das Ergebnis seiner am Freitag, den 23.
Dezember 1898 in der protestantischen Kirche zu Weilerbach vorgenommenen
Revision der daselbst von der Firma E. F. Walcker und Cie in Ludwigsburg erstellten

neuen Orgel ergebenst mitzuteilen.
Das Werk wurde vertragsmäßig geliefert und in allen Teilen zuverlässig
ausgeführt. Zinn= und Holzmaterial fanden reichlich Verwendung und sind von
ausgesuchter Güte. Das imposante Gehäuse ist aus schönstem Föhrenholze solid
und kräftig gebaut und wird nach Ausführung eines entsprechenden Anstriches
der Kirche zur besinderen, hervorragenden Zierde gereichen. Der Toncharakter
der 26 klingenden Register ist im einzelnen wie im ganzen sehr würdig und
edel gehalten., ebenso die Tonkraft in jeder Stimme entsprechend und
gleichmäßig vorhanden.. Die einzelnen Stimmengewähren mit ihren
eigentümlichen, in großer Schönheit ausgeprägten Tonfarben reichliche
Klangmischungen, und das volle Werk macht einen außerordentlich kraftvollen,
edel und majestätisch erschütternden Eindruck.

Nach dem berichteten Ergebnisse, das den Herren Hoforgelbaumeistern nur zur
Ehre und besten Empfehlung gereichen kann, trägt der Unterzeichnete kein
Bedenken, denselben die genannte Orgel hiermit abzunehmen und sie der
protestantischen Kirchengemeinde Weilerbach mit dem aufrichtigen Wunsche zu
übergeben, daß sie sich des wohlvollendeten Meisterwerkes allezeit in bestem
Segen erfreuen möge.

Mit vorzüglicher Hochachtung
der Orgelexperte
Herm. Hahn

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Der Vollständigkeit halber sei hier noch die Disposition (Die Aufstellung aller klingenden Register und Spielhilfen) aufgeführt:

Pedal: C-d'
Contraviolon 16'
Subbass 16'
Bassflöte 16'
Oktavbass 8'
Violoncello 8'
Posaune 16'

I. Manual C-f3
Bordun 16'
Prinzipal 8'
Konzertflöte 8'
Viola di Gamba 8'
Gedeckt 8'
Dolce 8'
Praestant 4'
Rohrflöte 4'
Piccolo 2'
Mixtur 5 fach 2 2/3'
Trompete 8'

 

II. Manual: C-f3

A)außerhalb des Schwellers: (Solo)
Stillgedackt 16'
Geigenprinzipal 8'
Fugara 4'
Cornet 3-5f

B)im Schweller (Begleitfunktion)
Doppelbordun 8'
Salicional 8'
Aeoline 8'
Vox coelestis 8'
Flauto dolce 4'

Spielhilfen:
a) Koppeln: Pedalk I, Pedalk II, Man-Koppel II/I
b) sonstige: freie Kombination, Tutti mit Koppeln, Auslöser, Auslöser
Zungenstimmen

Nun noch einige technische Fakten:

Die Orgel besitzt 26 klingende Register (=Stimmen), welche sich auf zwei
Manuale und Pedal verteilen.

Dazu kommen noch die üblichen zeittypischen Spielhilfen:

Koppeln, welche erlauben ein Register vom zweiten Manual auf dem ersten zu
spielen, beziehungsweise Manualregister mit dem Pedal gespielt werden
können.
Als zeitgenössische Innovation ist noch die freie Kombination zu erwähnen,
welche erlaubt, eine "vorprogrammierte" Registerauswahl auf Knopfdruck
abzurufen und dem Organisten damit die Möglichkeit an die Hand gibt
Lautstärke und Klangfarbe zu wechseln.

Im zweiten Manual sind einige Register mittels eines Trittes am Spieltisch
schwellbar: Diese Orgelpfeifen stehen in einem Gehäuse, welches mit
Jalousien versehen ist.

Der Organist kann damit die Lautstärke stufenlos variieren.
Die Weilerbacher Orgel besitzt Kegelladen mit pneumatischer Spiel- und
Registertraktur.
Im klassischen Orgelbau erfolgt das Ansteuern der Pfeifen von der Taste aus
über ein komplexes System von Hebeln und Abstrakten (mechanische Traktur).
Am Ende des neunzehnten Jahrhunderts ging man dazu über, dies durch
pneumatische Systeme zu ersetzen: Die Pfeifen werden mittels durch
Bleiröhren geleitete Luft angesteuert.

                                                                                                      Tobias Naumann

Sie möchten unsere Orgel hören? Hier finden Sie eine Auswahl von Stücken, die unser Organist Tobias Naumann eingespielt hat. Klicken Sie einfach auf den link - und Sie werden zu youtube weitergeleitet:

"Freu dich sehr, o meine Seele" Friedrich Silcher - YouTube

"Ein feste Burg ist unser Gott" Friedrich Silcher - YouTube

"Lobe den Herren" Johann Christian Heinrich Rinck - YouTube

Mässig bewegt-August Reinhard - YouTube