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Pfarrhaus

Unser Pfarrhaus liegt in der Rummelstraße 20, direkt gegenüber der Kirche.

Hier wohnt Pfarrehepaar Glade mit seiner Familie.

Hier wird Ihnen freundlich die Tür geöffnet. Kommen Sie einfach vorbei, wenn Sie ein Anliegen haben oder einen Besuch machen möchten.

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Zum bevorstehenden Geburtstag:

Das protestantische Pfarrhaus in Weilerbach.

Im kommenden Jahr 2022 wird das evangelische Pfarrhaus in Weilerbach 200
Jahre alt. Das große stattliche Anwesen ist zu einem Zuhause geworden für
viele Pfarrer und ihre Familien und seit den 1970iger Jahren auch für einige
Pfarrerinnen und ihre Familien.

Meine Familie und ich wohnen seit fast 8 Jahren in diesem Haus. Schon bei
unserem Einzug haben wir uns gefragt, wer hier wohl schon alles gewohnt
haben mag, wie viele Kinder in den unterschiedlichsten Kleidern auf dem
Geländer des Treppenhauses nach unten gerutscht sind. Wenn das Haus die
Geschichte seiner Bewohner erzählen könnte, - sie wäre sehr bunt und würde
die Lebensumstände der sich wandelnden Zeit widerspiegeln.

Im Hausinnern erinnert noch manches an die ursprüngliche Biedermeierzeit:
das hölzerne Treppenhaus, die knarrenden breiten Holzdielen in der ersten
Etage, der Zuschnitt vieler Räume mit ihren hohen Decken, die alten Türen
und natürlich auch die die vielen Sprossenfenster. Aus gutem Grund meinen
viele, dieses alte Haus mit seinen blauen Fensterläden habe einfach einen
ganz besonderen Charme.

Meine Familie und ich haben uns vom ersten Tag an in dieser "alten Burg"
wohlgefühlt. Kollegen haben meiner Frau und mir jedoch schon deutlich zu
verstehen gegeben, daß Sie nie freiwillig in einen solchen "Rheumabunker"
eingezogen wären. In der Tat, im Winter kann es hinter den dicken alten
Mauern sehr kalt werden. Und wenn man nicht sehr sparsam mit der Wärme
umgeht, können die Heizkosten explodieren. In heißen Sommermonaten genießt
man dagegen im Haus eine ähnlich wohlige Kühle wie in der Kirche.

In früheren Zeiten muß die exponierte Lage dieses auf einem Felsen gebauten
Anwesens am Rande des Dorfes idyllisch gewesen sein. Heute steht das Haus
direkt an einer vielbefahrenen Durchgangsstraße gegenüber von
Verbandsgemeindeverwaltung und Feuerwehr. Die Terrasse wie der Garten sind
von verschiedenen Gebäuden aus einsehbar. Trotz alledem sind meine Frau und
ich immer wieder dankbar, daß wir in diesem besonderen Haus wohnen dürfen
und genießen die komfortable Großzügigkeit besonders dann, wenn alle unsere
vier Kinder zu Hause sind.

Die Mehrzahl der Pfarrerinnen und Pfarrer unserer Landeskirche unterstehen
der sogenannten "Residenzpflicht". Das heißt mit anderen Worten, sie sind
verpflichtet, im Pfarrhaus ihrer Kirchengemeinde zu wohnen. In den alten
Zeiten der Großfamilien waren die großen Pfarrhäuser ein Segen. Heutzutage
leben viele Kolleginnen und Kollegen als Single oder mit einem Ehepartner in
den großen und oftmals sehr alten Häusern und wären manchmal froh, wenn sie
deutlich kleineren Wohnraum bewirtschaften müssten.

Es stellt sich aber auch die grundsätzliche Frage, ob diese "Residenz- oder
Dienstwohnungspflicht" noch zeitgemäß ist. Wie Hausärzte oder Apotheker
schon lange nicht mehr ihre Wohnungen über der Praxis haben, könnten auch
die Pfarrerinnen und Pfarrer "Berufliches" und "Privates" besser voneinander
trennen, wenn sie nicht mehr in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche und
Gemeindehaus wohnen müssen. Gerade jüngeren Theologen (und ihren
Lebenspartnern) könnte man damit auch eine Hürde nehmen, sich für das
Gemeindepfarramt zu interessieren. In Zeiten drastisch zurückgehender
Kirchensteuern wäre zudem der Verkauf ihres Pfarrhauses für viele Gemeinden
eine wirksame Finanzspritze. Interessant ist auch eine aktuelle Studie der
EKD. Aus ihr geht hervor, daß insbesondere im städtischen Umfeld das
Pfarrhaus für die Kontaktaufnahme und Seelsorge kaum noch eine Rolle spielt.
Die meisten Städter wissen nicht, wo der Pfarrer oder die Pfarrerin wohnt.
Wenn Sie dagegen über das Internet schnell einen Kontakt herstellen können,
ist das für sie entscheidend.

In unserer ländlich geprägten pfälzischen Landeskirche stehen in den vielen
Dörfern die Kirchen noch mitten im Dorf. Und das häufig in der Nachbarschaft
stehende Pfarrhaus ist ein Symbol für die Präsenz von "Gottes Bodenpersonal"
am Ort. Das Pfarrhaus steht dafür, daß der Pfarrer oder die Pfarrerin auch
zu ungewöhnlichen Zeiten erreichbar ist. So kommt es in Weilerbach immer
wieder vor, daß Menschen mit den unterschiedlichsten Anliegen vor unserer
Tür stehen, stets in der Hoffnung, daß Ihnen hier geholfen wird.

In einer Zeit der Umbrüche und Veränderungen ist die Zukunft des Pfarrhauses
ungewiß. Die EKD-Studie spricht aber auch vielen kirchennahen Menschen aus
dem Herzen: "Der wunderschöne Anblick der Ensembles aus Kirche und Pfarrhaus
würde vielen Menschen fehlen."

 

Pfarrer Frank Glade, März  2021